Das vorliegende Paket «Verkehr ’45» des Bundes ist für die Ostschweiz ernüchternd. Längst in Aussicht gestellte Angebots¬verbesserungen wie der Ausbau des Hauptbahnhofs St.Gallen zum Vollknoten und der 15-Minuten-Takt für die S-Bahn bleiben weiterhin ohne Umsetzungsperspektive. Eine zukunftsgerichtete Verkehrspolitik würde solchen Massnahmen den Vorzug gegenüber neuen Strassentunnels geben.
Für das St.Galler Strassennetz sind ausschliesslich Erhaltungsmassnahmen, jedoch kein Kapazitätsausbau angebracht. Das Stadtzentrum kann zusätzlichen Autoverkehr weder rollend noch parkierend aufnehmen – es fehlen schlicht die dafür notwendigen Flächen.
Beim Projekt Zubringer Güterbahnhof und Liebeggtunnel bemängeln sie, dass im Mitwirkungsbericht des Kantons St.Gallen zentrale Detailfragen unbeantwortet geblieben sind. Angesichts der nicht ausgeräumten Zweifel an der verkehrlichen Umsetzbarkeit fordert die GLP in ihrer Vernehmlassungsantwort an den Bund, die Teilspange zu streichen und auch die 3. Röhre Rosenberg nochmals zu überprüfen. Die verfügbaren Informationen zu Umfang und Dringlichkeit einer Sanierung der beiden bestehenden Röhren sind widersprüchlich.
Die Option einer Nachtsanierung der Röhren statt einer Vollsperrung ist ernsthaft zu prüfen, ausserdem die Planung einer allfälligen 3. Röhre selber: Mit einer Linienführung südlich um das Olma-Areal könnte der Abriss von intakten Hallen vermieden werden. Eine solche Lösung würde graue Energie, Geld und Deponievolumen sparen. Ausserdem ist zu bedenken, dass der Bau grosser Tunnelprojekte erhebliche CO₂-Emissionen bereits in der Bauphase verursacht und die Klimabilanz der Region über Jahrzehnte belastet.